Jahreswechsel

Ich habe mir mein Notebook vom Büro geholt und sitz jetzt im Esszimmer, es ist noch finster draußen um diese Jahreszeit. Den Kachelofen habe ich angeheizt und eine Schale Kaffee gemacht. Im Internet Radio habe ich mir einen Country Sender mit den Namen Wild Country abgespeichert, und dieser läuft gerade.

Seit geraumer Zeit, fast zwei Jahre schon ist dies meine bevorzugte Musik. Hat sich irgendwie so ergeben, warum weiß ich auch nicht genau.

Ich komm ins Grübeln, wie viele Menschen, denke ich zum bevorstehenden Jahreswechsel über die Feststellung: wieder ein Jahr vergangen nach und stelle mir gleichzeitig die Frage: was war das für ein Jahr?

Spätestens im Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr denkt Frau- Mann über diese Frage nach. Zugegeben, diese Art des Nachdenkens über ein mittlerweile fast vergangenes Jahr nimmt mit dem Alter an Intensivität zu. Wohl wissentlich, dass sowieso jede verstrichene Sekunde ein vergangenes Jahr bedeutet denke ich, aber zu gewissen Zeiten wie Geburtstagen oder eben Weihnachten – Neujahr, ist das Wissen um die „Vergänglichkeit“ größer und symbolisch mit einer Jahreszahl verknüpft. Der Countdown läuft fällt mir da spontan ein. Zahlen, wenn erst einmal erlernt, dann bestimmen sie dein Leben mit,- und zwar täglich.

In ein paar Tagen schreiben wir das Jahr 2018 – 1962 kam ich auf diese Welt, das sind fast sechsundfünfzig Jahre,- fast deshalb, weil ich Mitte Dezember geboren bin.

Unweigerlich „läuft“ in meinen Kopf eine „automatisierte“ Rechnung: sechsundfünfzig Jahre und „X“ Jahre bis zum? – bis zum was? Diese Rechnung lasse ich erst mal so „stehen“, weitere „Rechenbeispiele“ spielen sich in meinem Kopf ab, wie z.B.: meine älteste Enkeltochter ist jetzt drei Jahre alt, wenn ich siebzig bin, dann ist sie achtzehn Jahre und wenn ich neunzig werde, dann wäre sie schon achtunddreißig Jahre alt, ich hätte vermutlich eine oder mehrere Urenkel(innen). Gedanken, Zahlen – Erinnerungen.

Vor sieben Jahren stand ich knapp davor diese Welt zu verlassen, hatte einen Hinterwand– Herzinfarkt. Ich habe damals noch eine Chance bekommen, vor sieben Jahren. Was habe ich daraus gemacht? Habe ich daraus etwas gelernt? Habe ich etwas geändert? Wieder Fragen.

Ich habe damals „kürzer“ getreten, was die Intensität der Arbeitsstunden und Arbeitstage in der Woche betrifft, habe wieder angefangen regelmäßig Sport zu machen, habe die Ernährung umgestellt, habe mein Äußeres verändert um zu manifestieren, dass dies eine Art „Neubeginn“ ist und das wichtigste: ich habe mit dem Rauchen auf der Stelle aufgehört und nie wieder seitdem geraucht, geschweige denn Lust oder Verlangen nach einem „Glimm-Stengel“ gehabt.

Die Tatsache, dass ich dies so „souverän“ geschafft habe, hat mir gewissermaßen Flügel verliehen, hat mir gezeigt, dass ich einen starken Willen habe und das schaffen kann, was ich will.

Das war vor sieben Jahren, was war dieses Jahr? Damit bin ich wieder zurück bei der ursprünglichen Feststellung, dass dieses Jahr bald schon wieder vorbei ist.

Als Wichtigstes ist da, dass ich gesund bin! (Bis auf die Nachwirkungen des Infarktes, die mich aber sowieso mein restliches Leben begleiten werden).

Ich bin viel mit dem Rad gefahren und Schi gefahren dieses Jahr, war viel zu Fuß unterwegs, auf den Bergen, im Fitnessraum,- sportlich und körperlich ging und geht es mir gut. Ein kleiner Wehmutstropfen ist lediglich mein Körpergewicht, hier schaffe ich es einfach nicht das Idealgewicht zu erreichen, dass wer? eigentlich festgesetzt hat? Es gibt ein Idealgewicht für Männer, ein Idealgewicht für Frauen einen Index.

Der Mensch wird hier nicht als Individuum betrachtet, sondern als kompakte Bauform gleicher geschlechtlicher Merkmale und die Zahlen,- die sind auch hier das „Maß“ aller Dinge. Formel: Körpergröße abzüglich 100 ist das Idealgewicht für Männer! Gut, dieses Jahr schaffe ich das nicht, verfehle das Ideal um glatte 7,5 kg (plus), damit wäre die erste, wenn man so will Bilanzzahl für dieses Jahr schon fixiert.

Ich möchte mich bei dieser Art der Verallgemeinerung noch ein bisschen weiter „hineindenken“, weil ich weiß, dass auf meine Frage an andere Mitmenschen hin: wie war ihr oder dein Jahr?

Mit Sicherheit Antworten wie: super, toll, ausgezeichnet, besch.,-  schlecht, geht schon bzw. durchschnittlich usw. kommen werden.

Bei Letzteren, dem Durchschnitt, sprich Mittelmaß von Qualität oder Quantität oder mathematischer Mittelwert, wie auch immer, genau bei diesem Wort muss ich immer daran denken, dass es hier nach oben, wie auch nach unten noch sehr viel „Luft“ gibt! Gott sei Dank! Wir sind Individuen, jeder für sich einzigartig!

Dieses, fast schon vergangenes Jahr war auch einzigartig, nichts was in diesem Jahr geschehen ist, wird sich genauso und deckungleich wiederholen – nichts!

Sicher, Geburtstage, Feiertage, gewisse Begebenheiten sind durchaus mit einem Déjà-vu verbunden, aber nichts passiert noch einmal exakt zur selben Zeit auf die Sekunde genau am selben, unveränderten Ort oder mit dem selben unverändert geblieben Menschen, weil die Zeit nicht stillsteht, weil alles altert, weil immer wieder Neues geboren wird, weil sich alles permanent verändert.

Auch ich habe mich dieses Jahr wieder verändert. Nicht nur, dass ich eben ein Jahr älter bin. Was meinen Geist betrifft ändern sich meine Sichtweise, meine Denkweise meine Gefühle. Beim körperlichen, obwohl sportlich aktiv, komme auch ich nicht umhin zuzugeben, dass man jedes Jahr „merkt“.

Ein Blick nach draußen sagt mir: es wird langsam Tag. Jalousien auf,- ein schönes Morgenrot über den mit Schnee bedeckten Bergen, ich genieße den Anblick, hole mir noch einen Kaffee aus der Küche.

Was hätte ich besser machen können? Diese Frage stelle ich mir als nächstes, während ich durch das Fenster den bevorstehenden Sonnenaufgang betrachte, der Musik im Hintergrund lausche und einen Schluck vom Kaffee nehme.

Nichts! Ich denke intensiv nach, aber es kommt immer wieder aus meinem Kopf: Nichts!

Nichts also, hätte ich dieses fast abgelaufene Jahr besser machen können? Das lässt mir keine Ruhe, ich höre tiefer in mich hinein.

Doch, da gibt es schon Einiges, was nicht „optimal“ war, sei es im beruflichen oder auch privat aber es sind letztendlich Kleinigkeiten, Kleinigkeiten des Lebens.

Die fundamentalen Dinge, die ich dieses Jahr getan habe, habe ich genauso getan, weil ich es genauso wollte und da kann ich selbst nicht am Ende des Jahres behaupten es wäre „besser“ gewesen, weil …

Was man entschieden hat zu einem Zeitpunkt zu tun, war zu diesem Zeitpunkt, dass was man tun wollte!

Wenn man später dann eine andere Sicht auf das Geschehene hat und der Meinung ist, es wäre anders besser gewesen, dann nützt es maximal für zukünftige, ähnliche Situationen, diese besser zu machen um dann zu einem wiederum späteren Zeitpunkt festzustellen: es wäre noch viel besser machbar gewesen. Im Nachhinein sehen die Dinge meistens anders aus.

Ich, für mich persönlich bin der festen Überzeugung:

Alles was geschieht in unserem Leben ist im Grunde nicht von uns selbst bestimmt, auch wenn wir noch so versuchen unser Leben zu gestalten und zu lenken,- sondern von weit höherer Stelle,- Gott, dem Schicksal, der Vorbestimmung wie auch immer wir es bezeichnen.

Es ist an uns dieses Leben zu leben, es anzunehmen und uns selbst zu finden, damit wir dann am Ende dieses Lebens selbst sagen können: ich habe mein Leben gelebt, es war mein Schicksal, ich habe es angenommen. Ich bin jetzt bereit zu gehen.

Der Weg dorthin, der Weg zu dieser Erkenntnis ist unser Leben.

Das noch nicht abgelaufene Jahr, wenn ich schon bilanziere, war mit allen möglichen Tiefen und Rückschlägen „durchzogen“, mit Alltäglichkeiten und Déjà-vus, Streit, Schmerz,-

aber in erster Linie denke ich nur an in die so wunderbaren Stunden des Glücks und der Zufriedenheit die ich leben durfte, in denen ich über diesen irdischen Banalitäten schwebte, fühlte und bewegte mich jenseits dieser Welt, schwerelos durch Zeit und Raum, – es waren unglaublich schöne Stunden die ich erlebte. Liebe.

Die Augenblicke von Sonnen- Auf- und Untergängen, von Anblicken traumhafter Naturkulissen, ungekannter Landschaften, Lustiges und geselliges

Beisammensein, erreichen sportlicher Ziele und so viel Positives mehr.  Leben.

Letztendlich war und ist dieses, fast abgelaufene Jahr 2017 ein wunderbares Jahr meines Lebens, ein wunderbares Stück meines Weges.

Und Vorsätze für nächstes Jahr?  KEINE! – außer, mein Leben zu Leben.

Wünsche, Träume und Ziele jedoch habe ich viele. Was davon in Erfüllung geht ist nicht so wichtig. Allein die Tatsache, dass ich Träume Wünsche und Ziele habe ist Leben.

© Ewald Apperle Dez. 2017

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